Interdisziplinäre Zentren

Universitäre Zentren sind Orte komplexer Medizin

Interdisziplinäre Zentren an Universitätsklinika haben einen anderen Fokus als Einrichtungen, die darauf spezialisiert sind, weitgehend standardisierte medizinische Interventionen – etwa Prostataresektion, Hüft- oder Knie-TEP – in möglichst großer Fallzahl zu erbringen.

Die traditionelle fächerbezogene Abteilungsstruktur in Krankenhäusern ist immer weniger in der Lage, angemessene Antworten auf immer komplexere medizinische Herausforderungen zu geben. Insbesondere die Unikliniken reagieren auf diese Entwicklung mit einer Versorgung in spezialisierten Zentren, die sich durch fachabteilungsübergreifende, interdisziplinäre Lösungen auszeichnen. Zudem bieten universitäre Zentren häufig einen umfassenden Koordinierungs- und Beratungsservice für weitere Krankenhäuser und Arztpraxen. Mit diesem sog. „Outreach“ leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung auch über die Mauern des Uniklinikums hinaus.

Mit seiner Änderung im Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) wollte der Gesetzgeber im Januar 2016 eine Grundlage dafür schaffen, die besonderen Vorhaltungen und Aufgaben der interdisziplinären Zentren an Krankenhäusern und Universitätsklinika durch einen Zuschlag zur DRG-Fallpauschale besser zu finanzieren. Zuschläge für besondere Aufgaben (bis dahin Zentrumszuschläge genannt) sollten weiter entwickelt werden. Allerdings sind ambulante Versorgungsleistungen in Zentren davon nicht umfasst, sodass zahlreiche neue Versorgungsformen – beispielsweise ambulante Krebszentren an Universitätsklinika – von der Neuregelung nicht profitieren konnten.

Nach den Änderungen des Krankenhausfinanzierungsrechts setzen Zuschläge für besondere Aufgaben nun deren Ausweisung und Festlegung im Krankenhausplan des Landes oder eine gleichartige Festlegung durch die zuständige Landesbehörde im Einzelfall gegenüber dem Krankenhaus voraus.

Statt Verbesserung droht nun Rückschritt

Die neu geschlossene Zentrenvereinbarung wurde von den Krankenkassen im Jahre 2017 gekündigt. Es ist nunmehr fraglich, ob die politisch gewollte Förderung von interdisziplinären Zentren, wie sie gerade in den Universitätsklinika vorgehalten werden, gelingen wird. Zur Zeit droht in vielen Bundesländern eher ein Rückschritt gegenüber der alten Rechtslage: Bereits vorhandene Zentrenzuschläge werden mit Verweis auf die Neuregelung von den Kassen nun in Frage gestellt, ohne dass entsprechende neue Vereinbarungen getroffen werden.

Ein großes Manko der Neuregelung steht schon heute fest: Der Gesetzgeber hat die Chance vertan, bei der Neuausrichtung der Versorgung in Zentren auch Wege für eine sektorenübergreifende Versorgung zu ermöglichen.

Finanzierungsregeln bremsen interdisziplinäre Zentren an Universitätsklinika

Die etablierten Vergütungssysteme bilden die interdisziplinäre Leistungs- und Entscheidungsorganisation der universitären Zentren nicht ab. Vergütungsrelevant sind in aller Regel die Diagnose und/oder die einzelne medizinische Intervention. Betreibt ein Universitätsklinikum dagegen einen überdurchschnittlichen Aufwand, um Diagnostik und Behandlungsplanung für seine Patienten zu optimieren, ist das in aller Regel mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden.

So wird der momentan an vielen Universitätsklinika laufende Umstrukturierungsprozess hin zu mehr interdisziplinären Zentren durch das Vergütungssystem nicht unterstützt, sondern im Gegenteil eher gehemmt. Hier liegt eine Ursache für die aktuellen wirtschaftlichen Probleme vieler Universitätsklinika.

 

Zentren-Typen in den Krankenhausplänen der Länder