Intensivmedizin

Extremkostenfälle

Seit langem nicht ausreichend vergütet

In Universitätsklinika kommen die aktuellen Ergebnisse aus der medizinischen Forschung allen Patienten zu Gute. Dies gilt vor allem für Patienten mit komplexen Erkrankungen. 2017 hat das InEK – das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus – seinen inzwischen dritten Extremkostenbericht vorgelegt. Dieser Bericht wie auch all seine Vorgänger zeigt deutlich, dass die untersuchten Universitätsklinika und Maximalversorger weiterhin beträchtliche Finanzierungslücken durch so genannte Extremkostenfälle haben.

Über 130 Millionen Euro Deckungslücke bei den Universitätsklinika

Allein für das Jahr 2015 hat das InEK hochgerechnet auf alle Universitätsklinika eine Deckungslücke von knapp 132 Millionen Euro ausgemacht. Der Grund: ihr im Vergleich zu anderen Krankenhäusern überproportionaler Anteil an besonders aufwendigen und teuren Behandlungen und die dafür erforderliche Vorhaltung an Personal und Ausstattung.

Universitätsklinika bieten die höchste medizinische Versorgungsstufe

Universitätsklinika übernehmen als höchste medizinische Versorgungsstufe viele Patienten mit besonders schweren und komplexen Erkrankungen. Ihr Anteil an besonders aufwendigen und teuren Behandlungen ist im Vergleich zu anderen Kliniken deutlich höher.

Die daraus resultierenden Zusatzkosten werden jedoch über die DRG-Fallpauschalen, die auf Standardfälle ausgelegt sind und auf einer Mittelwertkalkulation über alle Krankenhäuser beruhen, nicht immer ausreichend abgebildet.

Die gesetzlich vorgeschriebenen „Extremkosten-Berichte“ des IneK zeigen, dass Universitätsklinika und Maximalversorger im Bereich der Extremkostenfälle nach wie vor deutlich schlechter finanziert sind als kleinere Krankenhäuser. Das gilt für das gesamte Spektrum medizinischer Leistungen.

Patienten bleiben länger, ihre Diagnostik und Therapie ist aufwendiger

Während Universitätsklinika und Maximalversorger überproportional viele unterfinanzierte Fälle haben, haben die anderen Krankenhäuser überdurchschnittlich viele überfinanzierte Fälle. Die Universitätsklinika und einige größere Krankenhäuser behandeln tendenziell mehr Patienten mit ungewöhnlichen oder besonders schweren Krankheitsverläufen. Der Vorhalteaufwand ist entsprechend hoch. Das Entgeltsystem trägt diesen leistungs- und strukturbedingten Kostenunterschieden nicht ausreichend Rechnung.

Politische Lösungen überfällig

Das Bundesgesundheitsministerium hat bislang eine gesetzliche Lösung abgelehnt und vielmehr auf die kontinuierliche Weiterentwicklung des DRG-Systems verwiesen. Allerdings hat spätestens der 3. Extremkostenbericht im Frühjahr 2017 gezeigt, dass die Gruppe der Universitätsklinika und Maximalversorgungskliniken weiterhin durch Extremkostenfälle finanziell belastet und die Belastung sogar von umgerechnet drei Millionen auf vier Millionen Euro je Klinikum gestiegen ist. Die jährliche Überarbeitung des DRG-Systems führt offenkundig zu keiner Verbesserung bei den Extremkostenfällen. Die einseitige finanzielle Belastung von großen Kliniken besteht unverändert fort.

Ein präzises Konzept, wie diese Verwerfungen im Fallpauschalensystem beseitigt und die Finanzierungslücken geschlossen werden sollen, ist nach wie vor überfällig und dringend erforderlich.

Extremkostenfälle: massive Unterdeckung bei den Universitätsklinika

 

Themen, die Sie auch interessieren könnten: