Modernste Robotertechnik
bei komplexen Operationen

Patienten profitieren von Robotern

Hightech-Assistenz im OP

Viele Universitätskliniken stellen ihren Chirurgen bei komplexen Operationen modernste Robotertechnik zur Seite. Die Vorteile für die Patienten sind erkennbar. Dennoch forschen die Uniklinika weiter daran, ob und wie der Patient noch mehr vom Einsatz der Roboter profitiert.

Ursprünglich war das DaVinci-System für Fernoperationen an Kriegsschauplätzen entwickelt worden: Chirurgen sollten weit entfernte Patienten über ein ferngesteuertes Operationssystem vor Ort versorgen. Inzwischen sind roboterassistierte Chirurgiesysteme an vielen Universitätsklinika nicht mehr wegzudenken. Zwar sitzt der Operateur neben dem Patienten, doch die Technik erweitert seine Möglichkeiten enorm: präzisere Schnitte, geringerer Blutverlust und bessere Nähte senken die Komplikationsgefahr und schaffen mehr Sicherheit für den Patienten, wie erste Studien belegen (siehe Kasten). Allerdings kann die Technik ihre Stärken nur mit gut ausgebildeten Chirurgen ausspielen. Denn auch wenn sie häufig als „OP-Roboter“ bezeichnet werden – selbstständig arbeiten DaVinci und seine Hightech- Kollegen nicht.

OP-Erfahrung trifft Präzision

„Für die urologische Chirurgie sind roboterassistierte Operationstechniken prädestiniert“, sagt Prof. Felix Chun, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Frankfurt (Main). „Das Operationsfeld im kleinen Becken ist sehr beengt und lässt dem Operateur nur wenig Platz für seine Arbeit“, erklärt er. Bei Prostatakrebsoperationen etwa seien die Komplikationsrate und der Blutverlust durch die Roboterunterstützung geringer geworden: „Wir können uns mit Hilfe des DaVinci-Systems wesentlich besser im kleinen Becken orientieren. Es ermöglicht dem Operateur eine dreidimensionale Projektion des Operationsfeldes in HD-Auflösung und falls nötig eine zusätzliche Vergrößerung“, so Professor Chun. „Dadurch ist eine millimetergenaue Schnittführung möglich, die darüber entscheiden kann, ob dem Patienten Kontinenz und Potenz erhalten bleiben.“ Neben solchen Fragen der Lebensqualität verkürze sich durch die minimalinvasiven Eingriffe die Genesungszeit für den Patienten erheblich.

Außerhalb der Urologie gibt es jedoch kaum Studien zu wichtigen patientenrelevanten Daten wie Mortalität, erneuter Erkrankung und Metastasen. Nichtsdestotrotz werden die Roboter einen bleibenden Einfluss auf die Chirurgie haben. Diese Effekte sieht auch Fachkollege Prof. Stefan Siemer am Universitätsklinikum des Saarlandes. Der stellvertretende Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie hat gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Michael Stöckle vor zwei Jahren eine Pionieroperation mit dem DaVinci-System vorgenommen: 2016 gelang dem Team erstmals in Deutschland eine roboterassistierte Lebendnierentransplantation. „Bei diesem Eingriff haben wir gleich mehrfach von den Möglichkeiten dieser Technologie profitiert“, sagt Prof. Siemer, der mehrere tausend Eingriffe mit dem DaVinci-System vorgenommen hat. „Einerseits können wir sehr präzise und gewebeschonend operieren, da das System zwar jede Bewegung des Operateurs genau überträgt, aber dabei Risikofaktoren wie etwa eine unruhigere Hand kompensiert.“ Gerade bei einer Lebendtransplantation direkt vom Spender zum Empfänger komme aber noch eine weitere Komponente hinzu: „Eine OP-Situation mit gleich zwei Patienten 11 Qualität Leben HIGHTECH IM OP | QUALITÄT LEBEN ist für jeden Chirurgen auch mental eine enorme Herausforderung“, erklärt Siemer. „Die Arbeit mit einem zuverlässigen OP-System ohne ‚menschliche Schwächen‘ war zumindest für mich bei diesem Eingriff eine wichtige zusätzliche Sicherheit.“

Augenlicht dank Laser-OP

Die Augenheilkunde ist eine weitere Disziplin, aus der die computergesteuerte OP-Assistenz nicht mehr wegzudenken ist. Hier sind es hoch entwickelte Lasersysteme, wie Prof. Arne Viestenz erklärt. Der Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Augenheilkunde im Universitätsklinikum Halle (Saale) weiß, dass in seinem Haus „außer Lid- und Schieloperationen und einigen Glaukombehandlungen fast gar nicht mehr klassisch operiert wird.“ Der Grund ist die enorme Präzision moderner Augenlaser, deren Möglichkeiten weit über die inzwischen sehr populäre Korrektur von Fehlsichtigkeit hinausgeht. „Mit unserem neuen Excimer-Laser ist eine Hornhauttransplantation in wenigen Minuten realisierbar“, sagt Prof. Viestenz. „Die Entfernung der geschädigten Hornhaut und der Einsatz des Spender-Transplantats erfolgt dabei mit einer Passgenauigkeit, die selbst die besten Operateure mit dem Skalpell nicht erreichen können.“ Während der Operation überwacht ein Scanner permanent die Augenbewegungen und justiert automatisch den Laserstrahl nach, um für den Patienten das bestmögliche Ergebnis zu sichern.

Fast noch segensreicher sind die Einsatzmöglichkeiten der Laser bei vernarbter Hornhaut, etwa nach bakteriellen Augenentzündungen oder Verletzungen. „Diese Patienten haben häufig nur noch 20 Prozent Sehkraft und eine klassische Operation war bislang sehr schmerzhaft und oft von geringem Erfolg gekrönt“, weiß Prof. Viestenz. „Heute können wir mit dem Laserstrahl Hornhautgewebe im Mikrometerbereich abtragen und gezielt korrigieren. Nicht selten können wir diesen Patienten 80 bis 100 Prozent ihrer Sehkraft zurückgeben.“

Klinische Studie zeigt Patientenvorteil


Die bislang größte Studie zum Thema „ROLARR“ stellte anhand von 471 operierten Darmkrebs-Patienten mehrere Vorteile bei roboterassistierten Eingriffen fest.

237 der minimalinvasiven Rektumkarzinom-OPs erfolgten mit Hilfe der Robotik, deren Nutzen besonders unter schwierigen Bedingungen zutage trat, etwa bei adipösen Patienten. Insgesamt waren Robo-Operateure deutlich seltener gezwungen, von der „Schlüsselloch-OP“ zu einem offenen Eingriff zu wechseln.

Um die Studienlage weiter zu verbessern, läuft seit 2017 an drei deutschen Uniklinika die Studie „Roboterassistierte Chirurgie“ in verschiedenen Fachbereichen. Sie hat ein Fördervolumen von über drei Millionen Euro.

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