Zusammenfassung: Innovationsforum 2018

Pflege stärken und Versorgung neu denken – sind wir auf dem richtigen Weg?

Das Innovationsforum der Deutschen Hochschulmedizin startete mit Vorschlägen des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR). Der Rat hatte im Frühjahr ein Gutachten zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung veröffentlicht. Professor Ferdinand M. Gerlach, Vorsitzender des SVR, gab einen Überblick über die Empfehlungen zur Notfallversorgung. Kernpunkt des Konzepts sind die sogenannten „Integrierten Notfallzentren“ als zentrale Anlaufstellen für die Patienten. Sie sollen an Krankenhäusern entstehen und sowohl von diesen als auch von der Kassenärztlichen Vereinigung gemeinsam getragen werden.

Professor Jonas Schreyögg ging anschließend als Mitglied des SVR auf die Empfehlungen zur Krankenhausfinanzierung ein. Das Gutachten weist auf Fehlentwicklungen hin, die insbesondere zu Lasten der Universitätsklinika gehen. Schreyögg betonte, dass die Politik der Universitätsmedizin in Deutschland bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat. Bedarf sieht er in der Krankenhausplanung, die den Versorgungsbedarf zu wenig abbilde und leistungsorientierter werden müsse. Aber auch die Betriebskostenfinanzierung sei zu unübersichtlich und komplex und unterscheide zu wenig zwischen den Versorgungsstufen.

Der zweite Block ging auf die Pflege im Krankenhaus ein. Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, sieht die Vorschläge der Politik, die Pflege unabhängig vom DRG-System zu bezahlen, grundsätzlich positiv. Abzulehnen sei dagegen der Wegfall des Pflegezuschlags. Dadurch werden den Krankenhäusern 500 Mio. Euro entzogen. Hier hofft er weiter auf ein Einsehen der Bundestagsabgeordneten.

Torsten Rantzsch, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands, sieht die Pflege als Erfolgsfaktor der Hochschulmedizin. Insbesondere eine ausreichende Personalausstattung und eine ausreichende Finanzierung sei die Voraussetzung, damit die Pflege auch ein Erfolgsfaktor bliebe.

Neue Konzepte zur Ärzteausbildung wurden im abschließenden Teil des Innovationsforums vorgestellt. Eine private, digitale Hochschule mit Sitz in Malta bietet ein digitales Studium an, das von Dr. Nils C. Thiessen, Chief Medical Officer der EDU, vorgestellt wurde. Der neue Gesundheitscampus Brandenburg, den Professor Dudenhausen präsentierte, ist eine Plattform für die Gesundheit Wissenschaften in Brandenburg, die allerdings selbst nicht für die klassische Medizinerausbildung zuständig ist. Thomas Köhler, Partner der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, fragte zum Abschluss des Blocks, ob da „wo Universitätsklinik drauf steht, auch Universitätsklinik drin sein muss?“ Es gebe keinen gesetzlichen Schutz im Hinblick auf das Führen von Bezeichnungen wie „Universitätsklinikum“ oder „Universitätsmedizin“. Auch mangele es an einer klaren gesetzlichen Definition, was ein „Universitätsklinikum“ inhaltlich ausmache und wer diese oder ähnliche Bezeichnungen unter welchen Voraussetzungen führen dürfe.