Frühjahrsforum der Deutschen Hochschulmedizin

Die Universitätsmedizin drängt in der neuen Legislaturperiode darauf, die begonnenen Reformen der letzten Bundesregierung nun auch umzusetzen und bei Bedarf weiterzuentwickeln. Um hier einen ersten inhaltlichen Impuls zu setzen, hat sich das Frühjahrsforum der Deutschen Hochschulmedizin intensiv mit einer Bewertung der Themen des Koalitionsvertrags der neuen Bundesregierung befasst.

Sind wir mit der Regulierung von Qualität auf dem richtigen Weg, fragte Frau Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss, in Ihrer Keynote. Das Thema „Qualität“ käme zwar im Koalitionsvertrag kaum vor. Dennoch sollte die neue Bundesregierung die Qualitätsoffensive der letzten Legislatur fortsetzen. Vieles was dort angestoßen wurde, sei derzeit noch „Work in Progress“ und müsse unbedingt weiterentwickelt werden, ist Klakow-Franck überzeugt.

Frau Professor Bruckner-Tuderman, Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), berichtete von den knappen Ressourcen beim Personal und zur Finanzierung der Forschungsinfrastruktur der Universitätsmedizin. Eine Lösung für dieses Problem sieht sie in Kooperationen wie den „Zentren für Hochdurchsatzsequenzierung“ der DFG an verschiedenen Standorten der Hochschulmedizin. Ein weiteres großes Problem sei die mangelnde Verknüpfbarkeit von Forschungsdaten mit Versorgungsdaten aus dem klinischen Alltag. Eine Strategie für eine bessere Forschungsinfrastruktur in der Medizin müsse von den Uniklinika ausgehen, ist sich Bruckner-Tuderman sicher. Erste Ansätze hierzu würden bei den geförderten Konsortien der Medizininformatikinitiative des BMBF sichtbar.

Eine eigene Strategie verfolgt die Techniker Krankenkasse (TK), die ihre neue elektronische Gesundheitsakte (eGA) „TK Safe“ gemeinsam mit einem Vertreter ihres Kooperationspartners dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf vorstellte. Die in einer App gespeicherten Daten gehören nur dem Versicherten, der allein entscheidet, welchen Akteuren im Gesundheitswesen er diese zur Verfügung stellt. Frau Dr. Ozegowski, eGa Beauftragte der TK betonte, dass die TK einen Ausbau und eine weitreichende Vernetzung ihrer elektronischen Akte anstrebe und keine „Insellösung“ anbieten möchte.

Es folgte ein Blick in die Zukunft: Roboter „Thea“, ein sogenannter Pflegeroboter, hielt den anschließenden Vortrag weitgehend selbstständig. Der Roboter wird derzeit im Lernzentrum der Medizinischen Fakultät und dem Universitätsklinikum Halle erforscht und getestet.

Thea äußerte sich verwundert über die Sorge vieler Menschen, dass sie demnächst alleine für die Pflege von Patienten zuständig sein könne. Sie musste vielmehr selber eingestehen, noch viele Unzulänglichkeiten zu haben und weit davon entfernt zu sein, Menschen zu ersetzen. Ein großes Ziel sei dagegen die Unterstützung und Entlastung des Pflegepersonals durch Roboter, erklärte Theas Entwickler Dr. Patrick Jahn von der Stabsstelle Pflegeforschung am Universitätsklinikum Halle (Saale).

Auf absehbare Zeit wird aber weiterhin menschliches Pflegepersonal die Pflege der Patienten übernehmen. „Pflegepersonaluntergrenzen“ sollen hier in Zukunft die Ausstattung mit Pflegekräften verbessern. Dr. med. Bernd Metzinger von der Deutschen Krankenhausgesellschaft stellte ein Konzept vor, wie ausreichendes Pflegepersonal in pflegesensitiven Bereichen vorgehalten werden kann, ohne dabei zu viel Bürokratie zu verursachen. Aus Sicht des GKV-Spitzenverbands ist die Reform der Notfallversorgung ein erster Schritt und damit vielleicht doch eher ein „Reförmchen“. Denn eigentlich bliebe in der Versorgung alles so, wie es eben heute schon sei, so Johannes Wolff, Referatsleiter Krankenhausvergütung beim GKV-Spitzenverband. Ein Unterschied sei aber, dass nun zumindest diejenigen Krankenhäuser mehr Geld bekämen, die auch wirklich den Aufwand hätten. „Und das wollen DKG und BÄK nicht?“, wundert sich Wolff. Eine Regelung zur Finanzierung hält er allerdings erst im kommenden Jahr für realistisch und nicht wie gesetzlich vorgeschrieben am 30. Juni 2018.

Professor Dr. Joachim Szecsenyi, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, dachte in seinem Vortrag über die Sektoren-übergreifende Neuordnung der Notfallversorgung und damit den nächsten Schritt nach. Ziel seien eine standardisierte und strukturierte Ersteinschätzung im eigenen Haus, eine Stufendiagnostik, die Einbeziehung von Generalisten in der integrierten Notaufnahme sowie die zielgenaue Steuerung der Patienten in die richtige Fachabteilung. Bevor diese Ziele erreicht seien, müssten die Universitätsklinika noch die erforderlichen Strukturveränderungen angehen, hierzu gehörten auch Schulungen aller Mitarbeiter oder die Schaffung entsprechender baulicher Voraussetzungen.

Neben der Notfallversorgung steht derzeit auch die Neuregelung zu Zentren an Krankenhäusern ganz oben auf der Agenda der Universitätsklinika. Helge Franz, Leiter des Referats Krankenhauswesen, Notfallvorsorge und Gesundheitswirtschaft in der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, setzt dabei besonders auf die nächste Verhandlungsrunde der Selbstverwaltung. Wenn sich die Grundidee von Zentren, die auf Hochleistungsmedizin ausgerichtet seien, mit konkreten Anforderungen an die Versorgungsrealität abbilden ließe, gäbe es Hoffnung auf eine funktionierende Regelung. Andernfalls sei die Neuregelung der Zentren gescheitert.

Frau Professorin Annette Grüters-Kieslich, Leitende Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzenden des Universitätsklinikums Heidelberg, plädierte gegen Ende der Veranstaltung für forschungsorientierte Personalstrukturen an den Uniklinika. Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten und dynamisch auf Entwicklungen in der Forschung reagieren zu können, seien unbedingt neue Weiterbildungs- und Leitungsmodelle erforderlich. Uniklinika könnten nur dann ein Innovationstreiber bleiben, wenn sie wissenschaftliche Karrieren nicht dem Zufall überlassen.

Neue regionale Versorgungsmodelle unter der Beteiligung der Universitätsklinika sind im Kommen, ist sich Dr. Helmut Hildebrandt, Vorstandsvorsitzender der OptiMedis AG sicher. Universitätsklinika seien dank ihres Wissens, ihrer Forschung sowie ihrer Daten und IT-Systeme prädestiniert für ein aktives Mitwirken an diesen neuen Versorgungsmodellen.