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Neue Interviewreihe VUDialoge: Ministerin Bauer fordert mehr Investitionen für Uniklinika

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Hier geht es zum Video „Interview VUDialoge mit Ministerin Bauer“

VUDialoge: Welche Bedeutung hat die Hochschulmedizin für den Wissenschaftsstandort Deutschland?

Theresia Bauer: Die Hochschulmedizin ist von zentraler Bedeutung, sowohl für unser Gesundheitssystem, als auch für unser Wissenschaftssystem. Die Hochschulmedizin ist außerordentlich leistungsstark und erfolgreich aufgestellt. Das sieht man zum Beispiel an wachsenden Drittmitteleinnahmen. Das sieht man auch in internationalen Rankings, aber sie ist eben auch von elementarer Bedeutung zur Bewältigung unserer großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Um nur eins zu nennen: Unsere Gesellschaft wird älter – das ist auch gut – aber mit der alternden Gesellschaft und dem demographischen Wandel sind auch neue gesundheitliche Probleme zu bearbeiten, insbesondere die Zunahme der Zivilisationskrankheiten.

VUDialoge: Was halten Sie von einer Grundgesetzänderung zur besseren Förderung von Forschung, Wissenschaft und Lehre?

Theresia Bauer: Ich begrüße es, dass es jetzt zu einer neuen Formulierung kommt, um die Verfassung zu ändern und langfristige dauerhafte Kooperationen im Wissenschaftsbereich zwischen Bund und Ländern zu erleichtern. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die neue Formulierung hat auch frühere Vorlagen noch einmal verbessert, weil sie breiter aufgestellt ist, aber dennoch klarlegt: Es geht um Kooperationen in Bereichen von überregionaler Bedeutung. Es geht um so etwas wie dauerhafte Spitzenförderung. Das ist eine Bereicherung für unsere Wissenschaftslandschaft, deswegen sehe ich dem mit Freude entgegen und unterstütze das.

VUDialoge: Befürchten Sie, dass die klinische und translationale Forschung an deutschen Uniklinika zurückgedrängt werden könnte?

Theresia Bauer: Ich würde das nicht so dramatisch sehen. Ich glaube, dass unsere Hochschulmedizin gut aufgestellt ist und die Forschung eine hervorragende Voraussetzung in Deutschland hat. Das soll auch so bleiben. Deswegen müssen wir mehr tun. Es sind enorme Investitionen nötig. Es ist auch eine Verbesserung in der Grundfinanzierung nötig, damit mit Perspektive und Planungssicherheit agiert werden kann. Zwei Beispiele: Wir brauchen große Schritte im Bereich der Digitalisierung - der E-Science - weil auch im Medizinbereich viel mehr Daten zum Einsatz kommen und verarbeitet werden, auf die immer wieder zugegriffen werden muss. Im Zusammenhang mit der personalisierten Medizin brauchen wir da sehr viel mehr Kapazitäten und Strukturen, die wir vorhalten müssen, damit Forschung erfolgreich agieren kann.

VUDialoge: Wie kann dem Ärztemangel in Deutschland begegnet werden?

Theresia Bauer: Ich würde mich freuen, wenn man weiter daran arbeitet, dass wir die richtigen Persönlichkeiten gewinnen, die ein Medizinstudium aufnehmen und dann auch später als Arzt tätig werden. Ich glaube, dass entscheidend ist, dass wir diejenigen, die ein Studium absolvieren, danach nicht verlieren – ins Ausland beispielsweise oder in andere Tätigkeitsbereiche, sondern sie wirklich gewinnen, dass sie auch als Ärzte tätig sind - auch im ländlichen Bereich. Wir haben ja im Bereich Medizin kein Problem mit großen Abbrecherquoten. Fast alle, die studieren, studieren zu Ende. Aber nicht alle, die zu Ende studieren, werden als Ärzte tätig. Da müssen wir nachsteuern und ich glaube, wir müssen auch daran arbeiten, die richtigen Persönlichkeiten dafür auszuwählen.

VUDialoge: Welche Erfahrungen als Patient oder Angehöriger verbinden Sie mit der Hochschulmedizin?

Theresia Bauer: Ich habe das Glück, dass ich selbst und mein näheres familiäres Umfeld Universitätsmedizin noch nicht oft in Anspruch nehmen musste.  Die Fälle, in denen ich selber Erfahrungen machen konnte, waren absolut einwandfrei. Ich hatte den Eindruck, es ist hochprofessionell vorgegangen worden und auch der Umgang mit den Patienten war freundlich und zuverlässig. Von daher habe ich keine Klage zu führen.