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Herbstforum der Deutschen Hochschulmedizin 02.10.2014

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Warum stottert der Innovationsmotor Universitätsmedizin?

Nur in der Hochschulmedizin greifen Forschung, Lehre und Krankenversorgung ineinander. Patienten profitieren hier von neuen Erkenntnissen der Forschung. Doch nicht immer ist diese sogenannte medizinische Translation reibungslos möglich. Die Gründe, warum der „Innovationsmotor Universitätsmedizin“ zunehmend stottert, diskutierten Experten aus Hochschulmedizin, Politik und Industrie auf dem diesjährigen Herbstforum der Deutschen Hochschulmedizin am 2. Oktober in Berlin.

Translationale Medizin ist die Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung. Universitätsmedizin ist in Deutschland der ideale Ort dafür, weil alle erforderlichen Voraussetzungen vorhanden sind. Zu diesen Voraussetzungen gehören vor allem exzellente Wissenschaftler, Labors und der Zugang zu den Patienten. Was bislang aber fehlt, ist eine koordinierende gemeinsame Initiative. Einen Schritt in die richtige Richtung machen die Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung (DZG). In ihnen kooperieren universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen. Sie werden langfristig finanziert. Eingerichtet wurden sie, um Forschungsergebnisse bei den großen Volkskrankheiten schneller zum Patienten zu bringen. Darauf wies Otmar D. Wiestler, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand des DKFZ, in seinem Vortrag zur Interaktion zwischen universitärer und außeruniversitärer Gesundheitsforschung hin.

Prof. Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages, sieht Hindernisse der Translation vor allem in den kaum vorhandenen institutionsübergreifenden Aktivitäten, der meist nur kurzfristigen Finanzierung und der Verschärfung durch die Föderalismusreform von 2006. „Das größte Hemmnis für translationale Medizin in der deutschen Universitätsmedizin ist die unzureichend entwickelte Informationstechnologie. Vorhandene klinische Patientendaten können nicht genutzt und miteinander verknüpft werden“, sagt Prof. Kroemer. Gerade Translation ist aber stark von einer modernen IT-Infrastruktur abhängig, die institutionsübergreifend kompatibel sein muss und projektunabhängig finanziert.

Neue Perspektiven zur Förderung translationaler Medizin eröffnet die geplante Föderalismusreform. Wie MDgt. Carsten Mühlenmeier aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur in seinem Vortrag darstellte. Die institutionelle Förderung einzelner Einrichtungen der Hochschulmedizin durch den Bund ist derzeit ausgeschlossen (sogenanntes „Kooperationsverbot“). Mit dem neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung für eine Änderung des Artikels 91bGG würde das Kooperationsverbot entschärft werden. Damit könnte sich der Bund zukünftig wieder einfacher an der Investitionsfinanzierung der Universitätsmedizin beteiligen.

Ein weiterer Aspekt der Translation, dem sich das Forum widmete und den Dr. Ulrich Trefz, Fachanwalt für Medizinrecht, vortrug, ist die Erstattung von neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) durch die Krankenkassen. Die neuere Rechtsprechung des BSG erschwert die Etablierung von neuen Behandlungsmethoden in den Krankenhäusern, da sie die Finanzierung an umfassende Nutzennachweise knüpft. So wird der Einsatz neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden in den Krankenhäusern aufgrund ungeklärter Finanzierungsfragen ausgebremst. Ungeklärte Finanzierungsfragen halten hier den Einsatz neuer Behandlungsmethoden in den Kliniken auf. Innovative Verfahren werden für die Uniklinika so häufig zum Verlustgeschäft.

Ein Beispiel dafür sind sogenannte „Mitwachsende Herzklappen“, die Dr. Tecklenburg von der Medizinischen Hochschule Hannover vorstellt. In klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass es beim Einsatz dieser neuen humanen Spenderklappen zu weniger Folgeoperationen kam. Es gab keine Abwehrreaktionen und der Einsatz von Gerinnungshemmern wurde unnötig. Eine erste klinische Anwendung, die das bewies, erfolgte 2002. Eine Anerkennung als „NUB“ bekam die Innovation aber erst zehn Jahre danach und erst heute kann sie überhaupt vergütet werden. Wann sie aber regelhaft ins DRG-System aufgenommen wird, ist immer noch unklar.

Die Deutsche Hochschulmedizin fordert deshalb einen verbindlichen gesetzlichen Finanzierungsanspruch. Um medizinische Innovationen insbesondere in den Universitätsklinika zu fördern, muss die Finanzierungsfrage beim Einsatz neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sowie bei der Behandlung der Patienten im Rahmen von klinischen Studien geklärt werden.

Der Vertreter der Krankenkassen, Thomas Ballast (stellvertretender Vorstands-vorsitzender Techniker Krankenkasse), fordert, Nutzen und Wirksamkeit innovativer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden systematisch zu überprüfen. Erst danach könnten diese Eingang in die flächendeckende Krankenversorgung finden. Dies gelingt am besten, wenn man NUBs in Innovationszentren konzentriert. Gerade die Uniklinika sind aus seiner Sicht aufgrund der Verbindung von Forschung und Krankenversorgung die geborenen Innovationszentren.

Dort könnte auch der Nachweis von Nutzen und Wirksamkeit durch eine umfangreiche Versorgungsforschung gewährleistet werden. Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, aus der Universitätsmedizin Greifswald, hebt aber hervor, dass es noch zu wenig systematische Versorgungsforschung in Deutschland gibt. Versorgungsforschung erfordert wissenschaftliche Expertise und eine entsprechende Finanzierung. Während die Expertise an den Uniklinika bereits vorhanden ist, mangelt es immer noch an einer ausreichenden Förderung.

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