Ist die Existenz der Hochschulmedizin in Deutschland bedroht?
Trendumfrage des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands bei den Klinikumsvorständen zeigt gravierenden Investitionsstau und Kostendruck in der Krankenversorgung auf
Die Uniklinika in Deutschland versorgen immer mehr Patienten mit immer schwereren Erkrankungen und sind für klinische Innovation und Lehre zuständig. Dringend notwendige Investitionen der öffentlichen Hand in Klinikbauten und Infrastruktur – bei einem Drittel der Klinika bis zu über 100 Millionen Euro - bleiben jedoch aus. Zudem gibt es Probleme bei der Refinanzierung der Krankenversorgung.
Dies hat eine aktuelle Trendumfrage des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands VUD, Berlin, bei seinen Mitgliedern gezeigt. An der Befragung nahmen 28 der insgesamt 32 Uniklinika teil; sie wurde am 17. August 2011 bei einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. Als gravierendste Probleme der nächsten Jahre nennen die Vorstände der Uniklinika die Wirtschaftlichkeit der Krankenversorgung unter dem hohen Druck von Personal- und Sachkosten bei gleichzeitig mangelhafter Finanzierung durch den Staat und die Krankenkassen. Weitere Herausforderungen sind der zunehmende Mangel an Fachkräften sowie der intensive Wettbewerb in der Forschung.
Mehr Patienten vor allem in der Intensivmedizin, Chirurgie und Neuro-Psychiatrie
„Die Universitätsklinika werden als Motor von medizinischer Innovation und medizinischer Ausbildung mehr denn je gebraucht. Zudem leisten sie den größten Anteil daran, dass Patienten mit sehr schweren, komplexen oder seltenen Krankheiten behandelt werden“, erklärt Professor Dr. J. Rüdiger Siewert, Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands, bei der Pressekonferenz. So hat die Trendumfrage des VUD gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Uniklinika eine Zunahme der Patientenzahlen sowie der Schwergrad der Krankheiten registriert. Nachgefragt werden Leistungen vor allem in der Intensivmedizin, in vielen chirurgischen Fächern, aber auch in der Inneren Medizin und den neuro-psychiatrischen Disziplinen.
„Den wachsenden Leistungsanforderungen im stationären und ambulanten Bereich steht die rückläufige Finanzierung auf fast allen Ebenen gegenüber“, so Professor Siewert.
- 88 % der Uniklinika geben an, dass sie nach wie vor keine ausreichende Finanzierung sogenannter „Extremkostenfälle“ erhalten. Dabei handelt es sich um Patienten mit unklaren Diagnosen und weitreichenden Komplikationen, oft nach größeren chirurgischen Eingriffen.
- 32 % der Uniklinika berichten über einen aktuellen Investitionsstau von über 100 Millionen Euro pro Standort.
- Die durchschnittliche Investitionsquote in den Uniklinika liegt bei 7,5 % (bezogen auf den Gesamtjahresumsatz) im Vergleich zur freien Wirtschaft mit 18 %.
- 85 % der Uniklinika berichten über einen realen Rückgang der Landeszuschüsse für Forschung und Lehre.
- 73 % der Uniklinika geben an, dass die zweckgebundenen Drittmitteleinnahmen für Forschung 2010 um bis zu 20 % gesteigert werden konnten. 40 % sehen jedoch keinen Spielraum für weitere Drittmitteleinnahmen, u.a. wegen fehlender Investitionen für Forschungsflächen.
Wegfall der Bundesfinanzierung seit 2007 zehrt an der Substanz der Uniklinika
„Die Trendumfrage zeigt, dass die Finanzierung der Uniklinika insgesamt prekär ist, auch wenn die meisten Uniklinika noch schwarze Zahlen schreiben“, sagt Professor Siewert. Vor allem der Wegfall der Bundes-Investitionen durch die Föderalismusreform I im Jahr 2007 gehe an die Substanz. Hier sieht er dringenden Handlungsbedarf für eine gesetzliche Neuregelung der Bundesförderung von Uniklinika und Universitäten.
Kontakt für Journalisten:
Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V. (VUD)
Kordula Merk
Referentin
Alt-Moabit 96
10559 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 3940517-23
Fax: +49 (0) 30 3940517-17
Email: merk@uniklinika.de
Website: http://www.uniklinika.de
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